Workshop 1: Mini Movie Method

Der Workshop

Was bisher geschah: Jede Geschichte hat drei Akte, Anfang, Mittelteil und Ende. Manche Lehrer sagen, dass es im Film vier Teile sind, denn der Mittelteil ist länger.

 

Syd Field hat einen Mid Point gefunden (den Mittelpunkt im Mittelteil), an dem sich die Geschichte wendet. Und er hat eine ungefähre Seitenzahl der eigentlichen Teile einer Geschichte festgelegt. Daran muss man sich nicht unbedingt halten. Comedies sind kürzer, Epen länger und werbeunterstütztes Fernsehen läuft nach eigenen Regeln ab, besonders in den USA.

 

Die Mini-Movie Methode („Filmrollen“) ist eine weitere Art, eine Geschichte zu strukturieren. Ich sehe solche Strukturen niemals als ein „Muss“ an und immer als eine Hilfe, um aus einer guten Idee eine gute Geschichte und dann ein gutes Drehbuch zu machen. Im digitalen Zeitalter gerät eine technische Tatsache langsam in Vergessenheit. Filme werden auf Filmrollen vorgeführt. Diese Rollen haben eine Länge von ungefähr 15 Minuten. Wenn die Rolle fertig ist, muss der Filmvorführer die nächste Rolle einlegen. Filme „normaler“ Länge (ca. 120 Minuten) bestehen aus acht Rollen. Die USC, aus deren Screenwriting Program Filmemacher wie Steven Spielberg und George Lucas (und viele weitere berühmte Leute) kamen, haben bemerkt, dass oft auch die Struktur der Geschichten sich an diesen Rollen orientiert hat. Und daraus haben sie die Filmrollen Methode entwickelt. Natürlich liegt auch dieser wieder die gute alte Drei-Akte Struktur zugrunde. Die Filmrollen machen es aber leichter, die Drei Akte mit Inhalten zu füllen.

 

Die acht Filmrollen im Kurzen:

Rolle 1: Die normalen Lebensumstände der Hauptfigur. Ein Konflikt taucht auf.

Rolle 2: Die Hauptfigur erkennt, dass sich durch den Konflikt sein Leben verändern wird. Er zögert und sucht nach einem Ausweg. Die Hauptfigur stellt sich endlich dem Konflikt.

Rolle 3: Die Hauptfigur versucht, den Konflikt zu lösen. Er wendet zunächst das Naheliegende an, aber ohne Erfolg.

Rolle 4: Die Hauptfigur nimmt den Konflikt ernst und denkt sich eine neue Lösung aus. Er sammelt Material und Verbündete. Er erkennt den Gegner. Rolle 5: Die Hauptfigur muss sich verändern und nochmals von Vorne beginnen. Sie muss ihre eigenen Schwächen erkennen.

Rolle 6: Die Hauptfigur ändert sich und mit ihr die Geschichte. Er greift den Gegner mit einem neuen Plan an und wird dabei fast besiegt. Der Tiefste Punkt der Geschichte.

Rolle 7: Das letzte Gefecht. Die Hauptfigur schlägt den Gegner.

Rolle 8: Die Hauptfigur schafft eine bessere Welt. 

Der Dozent

Ingo Gsedl

 

Ingo Gsedl lebte mehrere Jahre in Kalifornien und befasste sich dort im Rahmen des Extension Program unter der Leitung des US-Autors Syd Field an der UCLA mit Screenplay Writing. 

 

 

Seit kurzem lebt er wieder in Deutschland und ist als freier Autor tätig. Außerdem unterrichtet er Kreatives Schreiben an der Europäischen Schule in Karlsruhe und betreibt ein Autorenbüro im Kreativpark Karlsruhe.

Termin

Datum: 06. April 2017

Uhrzeit: 11:30 Uhr

Ort: Schauburg

Zutritt für akkreditierte Filmemacher, Zuschauer mit Festivalpässen und Studierende